Geistliches Eck

Frühling lässt sein blaues Band….

Vielleicht kennt der eine oder die andere diesen Gedichtanfang noch. Er steht für die Romantik, die der Frühling naturgemäß in sich trägt: Nach dem Grau des Herbstes und Winters beleben die Farben, Düfte und Eindrücke der erwachenden Natur auch den menschlichen Geist.

Ich habe heuer in meiner Heimat allerdings eine etwas andere Erfahrung: praktisch der ganze Garten ist platt, Sträucher und Bäume sind von dem vielen und drückenden Schnee dermaßen in Mitleidenschaft gezogen worden, dass ich mir noch nicht sicher bin, was da überlebt. Immer noch kann man sich gar nicht vorstellen, wann endlich der letzte Schnee, der hart wie Beton ist, weil er von Dächern geworfen wurde, wegschmilzt und was darunter hervorkommt.

Das zeigt mir etwas brutal aber sehr eindrücklich: Frühling ist nicht mein Werk, ich muss warten. Ich muss schauen, wo was lebt. Und dieses Leben habe nicht ich in der Hand, auch wenn mir manches noch so wertvoll wäre. Aber eines spüre ich: es wird Leben geben, es wird neues entstehen. Halten wir die Augen offen, ganz gespannt wo und wie. Dann wird es Wunder geben, wo ich sie nicht erwarte.